Sonnenschutz – warum er so wichtig ist und welche Filter die besten sind

Heute weiß eigentlich jedes Kind, dass zu viel Sonnenstrahlung schädlich ist und Sonnenschutz ein Muss ist. UV-Strahlung ist nicht nur schädlich, wenn es um Hautkrebs geht, sondern ist auch für einen großen Teil der Hautalterung verantwortlich. Sich mit SPF 20 einzucremen, 5 Stunden an den Strand zu legen – das hat nicht wirklich was mit Sonnenschutz zu tun. Aber wie schützen wir uns denn dann richtig und was sind eigentlich heutzutage “die besten” Filter?

UV-Strahlen und was sie mit der Haut machen

UltraViolette(UV)-Strahlen haben eine Wellenlänge von ungefähr 200- 400 Nanometer (nm) und werden in UVA und UVB unterteilt (eigentlich auch noch UVC, aber die wird von der Ozonschicht absorbiert).

UVB (280-320nm): Kurze Wellen, dringen bis zur Epidermis; ungefähr 5% der UV-Strahlung; verantwortlich für Sonnenbrände, länger-anhaltende Bräunung; messbar mit UV-Index, sind mittags am stärksten, Vitamin D3 Bildung in der Haut, Kanzerogen (Basalzellkarzinome, Plattenepithelkarzinome) durch DNA-Schädigung (Genotoxisch)

– UVA (320-400nm): Lange Wellen, konstant den Tag über; unabhängig vom UV-index; verantwortlich für Hautalterung und DNA-Schädigung; können bis zur Dermis eindringen; “kurze” Bräunung

Welche Folgen kann DNA Schädigung haben?

DNA absorbiert UVA und UVB Strahlen. Das bedeutet, dass DNA durch den Einfluss der UV-Strahlung beispielsweise falsche Aminosäuren herstellt und gewisse Prozesse, wie Reparatur, Kontrollmechanismen und Apoptose (gezielte Zelltötung von zum Beispiel Krebszellen) nicht mehr funktionieren, weil das sogar das Immunsystem durch UV-Strahlung geschwächt wird. Dadurch kann Hautkrebs entstehen.

Hautalterung durch UV-Strahlen – Photoaging

UV-Strahlung ist nicht nur für ein erhöhtes Hautkrebsrisiko verantwortlich, sondern lässt auch die Haut erheblich schneller altern. Langwellige UVA Strahlen dringen bis zur Dermis vor und schädigen dort durch freie Radikale das Kollagengerüst. Kollagen lässt die Haut jung und straff aussehen. Wird es jedoch geschwächt, entstehen Falten und schlaffe Haut. Die Folgen der Schädigung sind nicht nur Falten, sondern Hautalterung durch UVA Strahlung unterscheidet sich von der “normalen” Hautalterung

  • Photoaging: tiefe und grobe Falten, ledrige Haut, Hyperpigmentierung, Schlaffheit, Trockenheit,Teleangiektasien (erweiterte Gefäße), Prämaligne Läsionen, Atrophie (Haut wird dünner), Aktinische Purpura (Alterspurpura: rote Flecken der Haut, erhöhte Blutungsneigung) und so weiter.
  • “normale” Hautalterung: feine Linien, Schlaffheit, gutartige Hautveränderungen

Wie schütze ich mich richtig?

Generell gilt, dass der beste Schutz an erster und zweiter Stelle das Meiden von UV-Strahlung, besonders in der Mittagszeit, das Aufsuchen von Schatten und das tragen von langer Kleidung (und Kopfbedeckung), ist. Dabei ist es auch sehr wichtig einen guten Sonnenschutz zu tragen. Aber leider ist es oft so, dass viele sich eincremen und dann in die pralle Sonne legen. Hier noch ein paar Fakten zur Verwendung von Sonnenschutz:

  • der Lichtschutzfaktor (LSF/SPF) gibt immer nur den UVB Schutzfaktor an.
  • Wenn das UVA Zeichen auf der Verpackung eingekreist ist, bedeutet das, dass der UVA Schutz mindestens ein Drittel des UVB Schutzes beträgt (zum Beispiel bei LSF 30–>  PPD 10) (Anmerkung: UVA wird in Persistent Pigment Darkening (PPD) gemessen; man kann leicht ausrechnen, wieviel UVA er blockiert, der PPD Wert wird nicht immer mit angegeben; mehr dazu findet ihr hier)
  • Der LSF gibt an, wie lang der eigene Sonnenschutz (abhängig vom Hauttyp) verlängert werden kann. Dazu wird der angegebene Schutz mit 10 multipliziert. Zum Beispiel mit LSF 30 ist man 300 Minuten (plus Eigenschutz) geschützt. Achtung! Der LSF kann nicht beliebig verlängert werden! Ist die Zeit um, bringt auch nachcremen nichts mehr.
  • Je mehr desto besser? generell ja. Ein Breitband Schutz SPF 50 schützt nicht nur länger vor der Sonnenstrahlung, er blockiert auch mehr der UVA und UVB Strahlen, als SPF 30 beispielsweise. Aber der Unterschied zwischen SPF 20 und SPF 30 ist erheblich höher als zwischen SPF 30 und SPF 50.
  • Vorsicht! Kein Sonnenschutz kann 100%ige Sicherheit geben! Achtet also auch auf die anderen Vorsichtsmaßnahmen um Sonnenschäden zu vermeiden
  • Sonnenschutz mindestens 15 Minuten vor dem Sonnenbaden/Rausgehen auftragen, damit er in die Haut einziehen kann und wirkt
  • Der Sonnenschutz muss alle zwei Stunden neu aufgetragen werden.
  • Der LSF kann nur gewährleistet werden, wenn man genug benutzt! Die meisten nehmen viel zu wenig und erhalten nur einen Bruchteil des Schutzes. Allein fürs Gesicht benötigt man rund 1g Sonnencreme (einen Teelöffel). Rund 8 Teelöffel benötigt man für den ganzen Körper durchschnittlich. (Es gelten Empfelungen von 2mg pro Quadratcentimeter)
  • Wer denkt im Auto ist er sicher vor UV-Strahlung: Falsch! Durch die Scheiben kann UVA durchdringen und schädigt nachhaltig die Haut.
  • Besonders nach dem Schwimmen und wenn man viel schwitzt, regelmäßig nachcremen!
  • Auch die Augen (Sonnenbrille), Lippen, Ohren und eventuell Kopf nicht vergessen!
  • Sonnenschutz nicht auf gereizte Haut und Wunden auftragen, da sonst die Stoffe in die Haut eindringen können!

Welche Filter gibt es und welche sind die Besten?

Hierzu habe ich eine Tabelle mit den gängigsten UV-Filtern erstellt. In Grün habe ich die besten UV-Filter markiert. Aber Achtung! 1. Die inorganischen Filter sind nicht grün, weil sie das breiteste Spektrum absorbieren, sondern weil sie für SEHR empfindliche Haut geeignet sind. Heute gibt es aber schon viele organische Filter, die sehr gut verträglich sind und das gesamte UV-Spektrum gut abdecken. 2. Die Filter in orange sind teilweise potentielle Allergene und decken ein nicht so breites Spektrum ab.

Wichtig! Oft wird verbreitet, dass Sonnenschutz (besonders chemischer Schutz und Nanopartikel) schädlich ist, weil die Stoffe in die Haut und den Körper eindringen können. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass dies nicht der Fall bei intakter Haut ist und sich die Stoffe nicht in der Haut anreichern. Es wurde auch keine Korrelation zwischen UV-Filtern und Vitamin D Mangel gefunden.

Hier noch ein Paar Graphen zu den einzelnen UV-Filtern:

Wellenlängenabdeckung der gängigsten UVB-Filter

 

Wellenlängenabdeckungen der gängigsten UVA-Filter; Avobenzone ist der Beste, wenn stabilisiert

 

Photoinstabilität von Avobenzone allein; stabilisiert mit Tinosorb S (Bemotrizonol) und Octocrylene

 

Wellenlängen der Filter Uvinul T 150 (EHT), Neo Heliopan E1000 (IMC), Uvasorb HEB (DBT), Benzylidene malonate polysiloxane (BMP)

 

Wellenlängenabdeckungen der modernen UV-Filter (zb Tinosorb S); kann ein breites Spektrum der Wellen abdecken
Grafik zu einem Beispiel von Breitspektrum versus nicht-Breitspektrum Sonnenschutz

 

Wie man an den Grafiken erkennen kann, unterscheiden sich manche Filter enorm. Zinkoxid beispielsweise gilt als UVA und UVB Schutz, kann aber die Wellenlängen nicht sehr gut blockieren. Tinosorb S ist ein moderner Filter und kann ein breites Spektrum von UVA und UVB Wellen absorbieren. Des Weiteren kann dieser Filter Avobenzone stabilisieren und bietet deswegen einen zusätzlichen Vorteil. Es bietet also viele Vorteile auf moderne Lichtschutzfilter zu setzen und diese am besten kombiniert in einem Sonnenschutz zu haben.

Hier ist noch ein Beitrag auf IG, den ich euch empfehlen kann. Sie hat die gleiche Quelle für die Grafiken benutzt und eine Tabelle erstellt (die vielleicht übersichtlicher ist als meine :D)

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Hey folks🤗, I made a small overview regarding the most common UV-filters. . ●The table (slide 2-4) shows the main absorption spectrum per filter, thus where a filter provides its best protection. Ajacent UV wavelength areas may also be absorbed, but to a possibly lower extend. Absorption curves usually do not stop abruptly at the defined UVB/UVA-II/UVA-I borders ;). . ●The absorption curves can be seen in slides 5-8. . ●The literature/references I used to compile this overview are listed on the last slide (and one directly below). If you find any slips, please let me know 😉 . ●I forgot to list my most important reference 😅😅😅: U. Osterwalder & B. Herzog (2010). The long way towards the ideal sunscreen – where we stand and what still needs to be done. Photochemical & Photobiological Sciences 9: 470–481. Unfortunately, on the slides you find "2009", but it was published in 2010. 🙈😅 . . 🐱I also watched many of labmuffin beauty sciences💜 sunscreen videos to gain deeper insight – they are great and very comprehensibly explained🐴👌🤩! She has also an amazing blog – go there or to her youtube channel and watch/read for more sunscreen info👌🐥 . 🐽I look primarily for stable UVA I and II protection in sunscreens – thus you will find most of my favorite filters on slide 2 💪🐴💙 Note that many listed trademarks are by @basf_de @basf_global and that also other trade names for the same UV filter are in use. . . . #sunscreen #365sunscreen #uva #uvprotection #uvafilters #uvinul #tinosorb #Mexoryl #uvinulaplus #uvinult150 #tinosorbs #tinosorbm #mexorylxl #Mexorylsx #avobenzone #neoheliopanap #tinosorba2b #sunprotection #stableuvfilters #antiaging #slowaging #uvfilters #broadspectrum #photostable #photostability #basf #skincarecommunity_de #skincare #sunprotection #uvb

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Fazit

Auf was sollte man denn jetzt achten, wenn man Sonnenschutz kauft?

Ich würde einen Breitbandschutz empfehlen, der UVA und UVB abdeckt. Besonders geeignet sind moderne Filter. Diese leisten einen photostabilen Schutz und decken ein breites Spektrum ab. Darunter fallen Tinosorb S (oft kombiniert mit Avobenzone), Meroxyl XL, Tinosorb M, Tinosorb A2B. Aber auch die modernen UVA Filter, wie Meroxyl SX und Uvinul A Plus sind oft im modernen Sonnenschutz enthalten. Uvinul T 150 und Uvasorb HEB sind zu empfehlen (hauptsächlich UVB). Da aber Stoffe wie Meroxyl SX und XL beispielsweise von L’oreal patentiert wurden, sind sie nur für deren Firmen und Tochterfirmen erhältlich :/

Inorganische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid decken zwar auch UVA und UVB Wellen ab, aber wie man in der Grafik sieht, längst nicht so gut wie andere Filter. Deswegen würde ich von der alleinigen Nutzung mineralischer Filter abraten. Wenn man sensible Haut hat, kann man durchaus den modernen organischen Filtern eine Chance geben, denn sie sind auch für empfindliche Haut geeignet.

Welche Produkte kann ich empfehlen?

  • An erster Stelle steht das “Shaka Fluid” von La Roche Posay, SPF 50+ (PPD 42). Es beinhaltet sehr viele moderne Filter und habe ich schon vorgestellt: Aber auch andere Sonnencremes von La Roche Posay sind mit guten Filtern versehen!

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☀️ Sommer ☀️ Hallo ihr Lieben! Jetzt bin ich auch schwach geworden und hab mir das @larocheposay #shakafluid gekauft 😁 . . . ☀️ Textur: sehr leicht und flüssig, zieht gut ein, hinterlässt kein fettiges Gefühl ☀️ Farbe: ein wenig orange, aber ich finde mit der Zeit gleicht es sich an. Nicht geeignet für sehr helle Häutchen! ☀️Filter: Tinosorb S, Uvinul T 150, Mexoryl SX, Avobenzone, Mexoryl XL, Titaniumdioxid, ethylhexyl salicylate . . . 🌺Fazit🌺 ein sehr guter Sonnenschutz, besonders weil moderne UV-Filter verwendet werden, die u.a. andere photostabiler machen können. Einziger Nachteil ist die Farbe. Für sehr helle würde ich dann doch die farblose Variante empfehlen. 😊 . {Werbung, da Markennennung. Selbstgekauft} . . . #spf #spf50 #larocheposay #sonnenschutz #sunscreen #skinfirst #antiaging #shakafluid

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  • Das Avène Cleanance SPF 50+: enthält die Filter Tinosorb M, Tinosorb S, Uvinul HEB und Avobenzone. Es ist sehr leicht auf der Haut und fettet nicht. Leider brennt es in den Augen und Make-up sieht darüber auch nicht so gut aus.

Ich weiß, das war seeeehr viel Information, aber falls ihr noch Fragen habt oder Fehler entdeckt, freue ich mich über Feedback 🙂

Yvonne

 

Quellen:

Jansen, R., Osterwalder, U., Wang, S. Q., Burnett, M., & Lim, H. W. (2013). Photoprotection: part II. Sunscreen: development, efficacy, and controversies. Journal of the American Academy of Dermatology69(6), 867-e1.

Mulliken, J. S., Russak, J. E., & Rigel, D. S. (2012). The effect of sunscreen on melanoma risk. Dermatologic clinics30(3), 369-376.

Burnett, M. E., & Wang, S. Q. (2011). Current sunscreen controversies: a critical review. Photodermatology, photoimmunology & photomedicine27(2), 58-67.

Norval, M., & Wulf, H. C. (2009). Does chronic sunscreen use reduce vitamin D production to insufficient levels?. British Journal of Dermatology161(4), 732-736.

Autier, P., Boniol, M., & Doré, J. F. (2007). Sunscreen use and increased duration of intentional sun exposure: still a burning issue. International journal of cancer121(1), 1-5.

Chatelain, E., & Gabard, B. (2001). Photostabilization of Butyl methoxydibenzoylmethane (Avobenzone) and Ethylhexyl methoxycinnamate by Bis‐ethylhexyloxyphenol methoxyphenyl triazine (Tinosorb S), a New UV Broadband Filter¶. Photochemistry and Photobiology74(3), 401-406.

Wang, S. Q., Burnett, M. E., & Lim, H. W. (2011). Safety of oxybenzone: putting numbers into perspective. Archives of dermatology147(7), 865-866.

 

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