Wie funktioniert eigentlich Retinol?

Retinol, auch bekannt als Vitamin A, wird schon seit Jahren in der Hautpflege, aber auch als Vitaminpräparat eingesetzt. Bei Akne werden oft vom Dermatologen stärkere Präparate verabreicht, nämlich verschreibungspflichtige Retinoide. Produkten, die Retinol enthalten, werden häufig verschiedenste Anti-Aging Eigenschaften zugesprochen, aber was ist wirklich dran? Ist Retinol wirklich ein Wundermittel oder nur eine Marketingstrategie?

Retinol, auch als Vitamin A1 oder Axerophthol bezeichnet, ist ein fettlösliches, essenzielles Vitamin. Chemisch betrachtet gehört Retinol zu den Diterpenoiden und ist ein einwertiger, primärer Alkohol. Retinol kommt natürlich unter anderem in Fisch, Butter, Eigelb und Milchprodukten vor.

Retinoide gibt es in verschieden potenten Formen: 

  • Retinylpalmitat: die schwächste Form der Retinoide, nicht verschreibungspflichtig
  • Retinylaldehyd: stärker wirksam als Retinylpalmitat, nicht verschreibungspflichtig
  • Retinol: die stärkste Form der nicht-verschreibungspflichtigen Retinoide
  • Tretinoin: auch bekannt als Retin-A, verschreibungspflichtig
  • Tazaroten: sehr stark wirksam, verschreibungspflichtig

Heute werden wir uns aber mit den nicht-verschreibungspflichtigen Retinoiden beschäftigen, insbesondere mit Retinol.

Wie schon erwähnt, ist Retinol die stärkste Variante der nicht-verschreibungspflichtigen Retinoiden. Jedoch haben Retinylpalmitat und Retinylaldehyd auch Vorteile gegenüber Retinol. Sie sind beispielsweise stabiler, wenn sie mit Licht, Wärme und Luft in Berührung kommen.

Aber was für Vorteile hat Retinol eigentlich? 

In zahlreichen Studien wurde herausgefunden, dass Retinol Anti-Aging Eigenschaften aufweist:

  • Kann feine Linien und Falten bekämpfen
  • Hyperpigmentierung mildern
  • die “Hautdicke” erhöhen
  • raue Hautstellen bekämpfen

Und wie können diese Effekte erklärt werden? 

Retinol kann in der Haut die Kollagenproduktion anregen. Kollagen ist ein “Strukturprotein” (also Eiweiß), das im ganzen Körper vorkommt und unter Anderem für Hautfestigkeit sorgt. Bereits ab dem 20. Lebensjahr lässt die körpereigene Kollagenproduktion nach und somit können Falten und Linien entstehen. Auch UV-Strahlung und andere Faktoren, wie Rauchen und Alkoholkonsum können das Kollagengerüst durch freie Radikale schwächen.

Retinol ist auch ein Antioxidans. Wie gerade schon erwähnt, sind freie Radikale oft verantwortlich für eine Schwächung des Kollagengerüsts. Antioxidantien helfen diese freien Radikale unwirksam zu machen und schützen somit das Kollagengerüst. Deshalb ist es auch sinnvoll früh mit Anti-Aging anzufangen, und nicht erst, wenn das Kollagengerüst stark geschwächt ist.

Warum dann nicht gleich Kollagen in der Hautpflege? Kollagen an sich ist ein zu großes Molekül, das die Haut nicht penetrieren kann und dann auf der Hautoberfläche “sitzt”.

Retinol in Kombination? Man kann natürlich die Effekte noch verstärken, indem man Retinol mit beispielsweise Vitamin C kombiniert. Vitamin C ist auch ein Antioxidans. In Studien wurde beobachtet, dass Retinol mit Vitamin C die Hornhautschicht verringern und die Epidermis verdicken kann.

 

Auf was muss man achten, wenn man retinolhaltige Produkte kauft und anwenden will? 

Retinol ist eine relativ instabile Form der Retinoide und ist sehr empfindlich gegenüber Licht, Wärme und Luft. Deshalb sollte man darauf achten, dass man diese Produkte in luft-und lichtgeschützten Verpackungen kauft. Beispielweise ein getöntes Glas/ undurchsichtiger Behälter mit Pumpspender. Am besten sollte man Retinol abends anwenden, da der Stoff durch UV-Strahlen unwirksam wird.

Anwendung:  da Retinol auch Nebenwirkungen hat, wie zum Beispiel trockene, sich schälende Haut und Hautirritationen muss man sich langsam herantasten.

  • Mit einer geringen Konzentration anfangen, zum Beispiel 0.01%, dann 0.04%, dann 0.1%
  • anfangs 2 mal die Woche anwenden, langsam steigern
  • mindestens 2-3 Wochen warten und dann die Konzentration steigern
  • am Besten baut man nur ein neues Anti-Aging Produkt in die Hautpflegeroutine ein. Wenn ihr zum Beispiel Retinol und Vitamin C ausprobieren wollt, nicht beides gleichzeitig anfangen!
  • unbedingt Sonnenschutz tragen! Retinol kann die Haut sonnenempfindlicher machen.

Und zu guter Letzt: Zeit lassen! Es kann bis zu 6 Monate dauern, bis einen Unterschied bemerkt. Aber die Zeit ist es wert, denn Retinol kann beispielsweise sonnenbedingte Hautschäden sogar teilweise rückgängig machen!

Hier noch ein paar Produktempfehlungen von mir (ausnahmsweise mal von Paula’s Choice 😀 )

Hier findet ihr alle Retinolhaltigen Produkte von Paula’s Choice und hier eine Erklärung der unterschiedlichen Retinolstärken!

 

 

Quellen:

Mukherjee, S., Date, A., Patravale, V., Korting, H. C., Roeder, A., & Weindl, G. (2006). Retinoids in the treatment of skin aging: an overview of clinical efficacy and safety. Clinical interventions in Aging1(4), 327.

https://www.healthline.com/health/beauty-skin-care/retinoids-for-wrinkles (aufgerufen am 12.06.2019)

https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/do-retinoids-really-reduce-wrinkles (aufgerufen am 11.06.2019)

Rawlings, A. V., Canestrari, D. A., & Dobkowski, B. (2004). Moisturizer technology versus clinical performance. Dermatologic therapy17, 49-56.

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